Rettet das Exhaus – Rede der DKP Trier

Heute hat ein breites Bündnis eine Demonstration vorm Trierer Rathaus veranstaltet, um das Exhaus zu unterstützen. Wir dokumentieren hier die Rede der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) Trier

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer des Exhauses,

Ich bin Mitglied der Kommunistischen Partei, der DKP Trier. Mein erster Konzertbesuch vor 18 Jahren war im Exil, es sollten viele folgen, auf denen viele Kontakte geknüpft wurden, die meine gesamte Jugend und junges Erwachsenenalter geprägt haben. Damit spielt und spielte das Exhaus in meinem gesamten Umfeld eine maßgebliche Rolle für unsere kulturelle Sozialisation sowie das Kennenlernen von Sub- und Jugendkulturen und war stets eine stabile, für unsere Entwicklung wohltuende Anlaufstelle.

Wir als DKP stellen uns hinter das Exhaus. Wir stellen uns hinter diese wichtige Institution der Jugendarbeit, Kultur und Freizeitgestaltung im Norden von Trier. Das Exhaus ist gewachsen auf Druck der alternativen Jugendbewegung und der 68er-Bewegung in der Trierer Stadt.

Damals wie heute ist das Exhaus ein wichtiger und unersetzlicher Bestandteil der Arbeit in einem Stadtteil, der zu großen Teilen von einzelnen Menschen und Familien bewohnt wird, die von Arbeitslosigkeit, prekären Beschäftigungsverhältnissen und Armut betroffen sind oder einen Migrationshintergrund haben. Das Exhaus hat es durch alle Höhen und Tiefen seiner seit Anfang der 1970er andauernden Geschichte immer geschafft den Kindern, Jugendlichen und jungen wie älteren Erwachsenen auch über dieses Viertel hinaus ein soziales und kulturelles Programm zu bieten, das seines Gleichen sucht. Verwaltet durch die engagierten Menschen vor Ort, die ein Ohr bei der Jugend haben. Getragen durch den eigenen Verein und schon immer mitfinanziert als klare Pflichtaufgabe der Stadt Trier und des Landes Rheinland-Pfalz.

Es ist ein Unding, dass wir heute überhaupt hier stehen müssen, um einzufordern, was Pflichtaufgabe der Stadt Trier ist – nämlich das Exhaus finanziell zu unterstützen, in einem desolaten Zustand, den weder die engagierten Aktiven im Trägerverein, noch die Kinder und Jugendlichen im Exhaus zu verschulden haben.

Die roten Zahlen – die das Exhaus geschrieben hat und derzeit wegen der Brandschutzmaßnahmen noch schreibt – müssen von der Stadt voll und ganz ausgeglichen werden und dürfen weder auf dem Rücken der Mitarbeiter_innen, noch auf dem Rücken der Jugend der gesamten Stadt ausgetragen werden!

In kaum einer bundesdeutschen Großstadt mit vergleichbarer Größe ist die Miete so hoch wie bei uns in Trier! Der Wohnraum ist beliebt für besserverdienende Lohnabhängige aus Luxembourg.Geringverdienerinnen und Geringverdiener, Menschen mit durchschnittlichem Lohn, Familien und Rentnerinnen und Rentner suchen genau wie die Studierenden der Hochschulen verzweifelt nach bezahlbaren Wohnraum. Die Mieten steigen weiter und die von den Sozialdemokraten eingeführte Mietpreisbremse ist so wirksam wie Zahnpasta gegen Pickel. Oder wie bei der Bundestagswahl SPD zu wählen, weil man keine CDU-Regierung will.

Immobilienhaie reißen sich gerade Stück für Stück die Filetstücke, wie auch den ebenfalls als „sozialen Brennpunkt“ degradierten Stadtteil Trier-West unter den Nagel, weil hier das meiste Geld mit Mieten und Eigentumsobjekten zu machen ist. Deswegen werden eben noch ein paar Lofts hingeknallt, von denen weder der durchschnittliche Angestellte, noch einfache Trier-Wester irgendetwas haben. Im Gegenteil – durch sogenannte Verschönerungsmaßnahmen und steigende Mieten werden im Prozess der Gentrifizierung, der auch in unserem kleinen, harmlosen Trier schleichend Menschen verdrängt und gewachsene und notwenige Kulturräume – wie z.B. günstige Proberäume für lokale Musikgruppen müssen dem Profitinteresse der Immobilienunternehmen weichen! Möglich macht’s die Gesetzgebung dieses kapitalistischen Staates, die Einladungen zum sogenannten „Investieren“ des Trierer Oberbürgermeisters und die Beschlüsse der Mehrheit dieses Stadtrates.

Unter den Zeichen dieser stattfindenden Gentrifizierung und dem Aufruf sogenannte „Baulücken“ zu schließen, mussten in den letzten Jahren massiv Proberäume für Bands in Trier schließen. Durch einen Neubau direkt neben dem Bunker in Trier-Nord könnte auch dort erneut ein Proberaum für Bands wegfallen. Auch das Exhaus beherbergt Proberäume und gerät nun finanziell unter Druck. Die Stadt muss mehr tun, als nur die entstandenen Kosten und die offenen Gelder der Mitarbeiter*innen auszugleichen. Die Stadt muss für ein umfassendes soziales und kulturelles Angebot sorgen und ihren Etat in diesem Bereich nochmal deutlich erhöhen. Das Exhaus ist Teil dieses Angebotes und darf nicht gegen andere soziale und kulturelle Einrichtungen ausgespielt werden! Wir fordern mehr Geld in Bildung, Kultur und Soziales!

Liebe Freundinnen und Freunde

Rettet das Exhaus!